1. Die
Situation der Juden während des Naziregimes in Deutschland
1.1.
Die Machtergreifung Hitlers
Nachdem Hitler 1933 an die Macht gekommen war, setzte er seine
nationalsozialistischen Ziele zur Errichtung eines rein arischen Staates, der
durch die Ausweisung aller nicht deutschen Teile der Bevölkerung realisiert
werden sollte, sofort in die Tat um.
1.2. Die Politik der Nationalsozialisten gegen
ausländische und jüdische Mitbürger
Die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber allen Fremden, und
insbesondere den Juden, die in Deutschland lebten, war bereits seit langem klar,
da bereits Jahre vor der Machtübernahme Hitlers dessen Buch „Mein
Kampf„ die Weichen für seine spätere Politik stellte. Bereits
dort beschreibt er seine Wandlung zum Antisemiten in den Wiener Jahren von 1908
bis 1913 als den entscheidenden Schritt seines Lebens.
Diese Weltanschauung manifestiert sich besonders deutlich in einem Zitat
aus dem oben genannten Buch. Der Satz „Indem ich mich des Juden erwehre,
kämpfe ich für das Werk des Herrn„ (Hitler 1929:12f.) macht
deutlich klar, wie Hitlers Einstellung bereits Jahre vor der Machtergreifung den
Juden gegenüber war. Daß er sich in diesem Satz auf Gott beruft,
macht deutlich, daß sein Judenhaß nicht rational zu begründen
war, sondern etwas höheres als Tarnung für seine nicht vorhandene
Logik herhalten mußte, um die Bevölkerung von seinen Gedanken zu
überzeugen, was ihm letztendlich ja auch größtenteils
gelang.
Wenn man sich als weiteren Eckpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie
das Parteiprogramm, das bereits dreizehn Jahre vor dem Gewinn der Wahlen von
1933 veröffentlicht worden ist, so erkennt man deutlich, daß die
Ideen Hitlers, die er in „Mein Kampf„ andachte, weiter geführt
worden sind, so daß es inzwischen nicht mehr nur gegen Juden in
Deutschland geht, sonder um alles Fremde im allgemeinen, dessen Vertreter sich
in Deutschland befanden.
So wird dort allgemeiner formuliert und mit den Begriffen Staatsbürger
und Volksgenosse operiert, die dem gesamten Parteiprogramm einen deutlich
politischeren Anstrich geben, als es mit den Haßtiraden Hitlers gegen die
Juden in „Mein Kampf„ je möglich gewesen wäre.
1.3. Geplante Maßnahmen gegen die Juden nach der
Machtübernahme
Das eben erwähnte Parteiprogramm von 1920 läßt sich als
Grundlage der fremdenfeindlichen Politik sehen, wobei es in der Wortwahl noch
relativ neutral bleibt, bevor dann in den folgenden Jahren die
Fremdenfeindlichkeit im allgemeinen und der Antisemitismus im besonderen in
immer neueren Manifesten, die dazu dienen sollten einen arischen Staat
aufzubauen, von der nationalsozialistischen Führung in den schnell
gleichgeschalteten Staatsorganen publiziert wurden.
Die immer härtere Politik gegen Ausländer und Juden läuft
parallel zu denen in Publikationen auch immer brutaler werdenden Ausdrücken
gegen alles nicht arische, was sich sehr deutlich an dem schon mehrmals
erwähnten Parteiprogramm von 1920 im Vergleich zu einem Aufsatz Joseph
Goebbels vom 21.Januar 1929.
Im Parteiprogramm ist von Sätzen wie „Wenn es nicht möglich
ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die
Angehörigen fremder Nationen (Nichtstaatsbürger) aus dem Reiche
auszuweisen.„(Feder 1933:20) die Rede, die wenigstens noch den Ansatz
einer Argumentation beinhalten, wohingegen der Aufsatz von Goebbels sich nur
noch auf die Juden bezieht, die es ohne tieferen Sinn auszuradieren gilt:
„Man kann den Juden nicht positiv bekämpfen. Er ist ein Negativum,
und dieses Negativum muß ausradiert werden aus der deutschen Rechnung,
oder es wird ewig die Rechnung verderben.„(Goebbels 1929:322)
Obwohl die Politik der Nazis zunächst eine andere Richtung nahm,
nämlich die der Vertreibung von fremden Mitbürgern aus Deutschland, so
lassen sich doch in Goebbels‘ Aufsatz bereits die Gefahren erahnen, denen
man ausgesetzt war, wenn man Deutschland nicht schnell verließ. Jedoch
wurden diese Aussagen der Nazis von allen Beteiligten, außer sich selbst,
nicht ernst genommen, so daß sich später eine der größten
Katastrophen der deutschen Geschichte abspielen konnte, die in der
Massenvernichtung von Millionen von Juden endete.
Im nun folgenden Bereich wird auf die Situation der Juden in Deutschland
von der Machtergreifung Hitlers bis 1941 unter dem Aspekt der Flucht
eingegangen.
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