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5.2. „Nur ein Photo von den Eltern - Mit dem
jüdischen Kindertransport nach England„ - Liesl
Heilbronner
Liesl Heilbronner wird 1924 in Düsseldorf geboren und verlebt, wie sie
von sich selbst sagt, eine Kindheit in einem sorgenfreien und liebevollen
Elternhaus, war sportlich sehr aktiv. Mit der Machtergreifung ist es jedoch
schlagartig mit der glücklichen Kindheit vorbei, sie wird gezwungen, eine
Kölner Mädchenschule zu besuchen, verliert ihre gesamte vertraute
Umgebung, ihre Freunde. Ungläubig steht sie nach der Reichskristallnacht
vor den Trümmern der Wohnung ihrer Eltern, die bis dato schon mehrmals
versucht haben, Deutschland zu verlassen, jedoch keine Visa erhalten haben. Im
August 1939 treffen sie eine schwere Entscheidung, die ihrer Tochter das Leben
rettet, und schicken sie mit den Kindertransporten nach
Großbritannien.
Liesl kommt in ein Internat bei Hastings, das sie jedoch 1940 als
„enemy alien„ wieder verlassen muß. Eine Londoner
Handelsschule nimmt sie auf, anschließend arbeitet sie als Stenotypistin
und Halbtags in einem Krankenhaus.
1948 erhält sie die britische Staatsbürgerschaft und heiratet
einen nichtjüdischen Hochschullehrer, mit dem sie zwei Kinder hat. Da sie
in ihrer Kindheit schon in einem liberalen Klima aufgewachsen ist, findet sie
auch in England nicht zum praktizierenden Judentum, sucht auch nicht die
Gesellschaft anderer, insbesondere Exiljuden: „Ich finde es befremdend,
mit Juden zusammen zu sein. Ich glaube an einen Gott, aber weiter würde ich
nicht gehen, obwohl ich auch nie meinen ursprünglichen Glauben ändern
würde.„
Nach Deutschland ist sie nach dem Krieg nur einmal zurückgekehrt, um
Wiedergutmachungsansprüche geltend zu machen und auf dem Friedhof ihrer
Heimatstadt für ihre 1942 in Minsk von den Deutschen hingerichteten Eltern
und Verwandten einen Gedenkstein zu errichten. Liesl fühlt sich ihren
Eltern „für immer zu Dank verpflichtet für ihre Selbstlosigkeit,
aber dieses Kapitel meines Lebens ist völlig
abgeschlossen.„
(Zitiert nach: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Das Exil der kleinen
Leute - Alltagserfahrung deutscher Juden in der Emigration.
München, 1991: Verlag C. H. Beck: „Nur ein Photo von den Eltern„
von Jenny Kreyssig (203ff)
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