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Die britische Verwaltung, besonders das Colonial Office, entwickelte indes
eine immer stärkere Ablehnung gegen die ins Land strömenden Juden, von
denen ein Großteil aus dem Feindesland stammte, was wiederum zu der
Behauptung führte, es bestünde „the possibility of there being
agents of the German government amongst them and [...] consequent danger to the
internal security of Palestine„ (Memorandum von J. E. M. Carvell, 5.
Februar 1940). Tatsächlich wurde nie ein solcher angeblicher Agent unter
den Flüchtlingen entdeckt.
Die Motive der Flüchtlinge wurden von britischer Seite ohnehin in
Frage gestellt, in völliger Verkennung der Not und des Elends der
Vertriebenen wurde den Juden eine „organised invasion of Palestine for
political motives, which exploits the facts of the refugee problem and
unscrupulously uses the humanitarian appeal of the latter to justify
itself„, zwar seien einige wenige wahre Flüchtlinge unter den
Einreisenden, aber die Tatsache, das die deutsche Regierung teilweise bei dieser
Flucht behilflich war, wurde so erklärt, daß es das ihr Interesse
sei, die Juden loszuwerden - was sicherlich zutreffend ist, jedoch Hauptgrund
sei „causing embarrassment to His Majesty’s Government„
(gemeinsames Memorandum von Colonial- und Foreign Office, datiert auf den 17
Januar 1940).
Die Gangart den illegalen jüdischen Einwanderern gegenüber wurde
weiter verschärft, zahlreiche englische Politiker und Beamte sahen sie nur
noch als eine Plage und Last an, ein ganzes Volk, das sich auf eine Reise
begibt, und das nur, um England Probleme zu machen. Diese Auffassung schlug sich
vor allem massiv in den Äußerungen der Angestellten des Colonial
Office nieder und schließlich resultierte hieraus auch härteste
Maßnahmen zum kompletten Stop der Flüchtlingsströme. So schrieb
1940 der stellvertretende Untersekretär eben dieser Behörde über
die Juden und ihre Flucht vor dem Naziterror:
„I am
convinced that in their hearts they hate us and have always hated us; they hate
all Gentiles. [...] So little do they care for Great Britain as compared with
Zionism that they cannot even keep their hands off illegal immigration, which
they must realise is a very serious embarrassment to us at a time when we are
fighting for our very existence.„
Der innerhalb des Colonial Office vorrangig für Palästina
zuständige Sekretär, H. F. Downie, ging im März 1941 mit seiner
Meinung, ebenfalls auf das Problem der illegalen Einwanderung angesprochen, noch
um einiges weiter:
„This sort
of thing makes one regret that the Jews are not on the other side in this
war.„ (Protokoll des Colonial Office, !5. März 1941)
Zwar waren so radikale Ansichten nicht die Regel, sie machen jedoch
deutlich, wie die Einstellung der Briten zur Frage der jüdischen
Siedlungswünsche und zur jüdische Situation im allgemeinen war.
Konkrete Maßnahmen wurden ergriffen, um diese ‚Invasion‘
aufzuhalten, nachdem mehr als deutlich geworden war, daß die für
Palästina aufgestellten Einwanderungsbestimmungen und -zahlen das Papier
nicht mehr wert waren, auf dem sie gedruckt waren. Zum blockieren der
Fluchtrouten wurden nun sämtliche diplomatischen und militärischen
Mittel ausgeschöpft, die Regierungen der südosteuropäischen
Staaten durch das Foreign Office zur Kooperation aufgefordert:
„The
Foreign Office has asked countries of transit to refuse transit visas; [...] it
has asked the nations where the owners of such [illegal immigrant] ships reside
to take action against them; it has asked the nations whose Ports are used by
such ships to put administrative difficulties in the way of their sailing; and
it has explored the possibilities of evading the legal provisions concerning
freedom of transit on the Danube and through the Straits in order to enable the
riparian governments at our request to hinder the traffic. Representations have
been made to twelve European and Mediterranean governments. In Roumania, Turkey,
Greece, Bulgaria and Yugoslavia these representations have been carried to a
point which has made the question of illegal immigration a factor constantly
present in our relations with those countries.„ (Memorandum von J. E. M.
Carvell vom 5. Februar 1940)
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